Wie erkläre ich das nur meiner Familie …

Was macht eigentlich ein UX Researcher?

Wie erklärt man seiner Familie oder Freunden den eigenen Job? Wohl wissend, dass sie kein Vorwissen oder gar Erfahrungen in dem Tätigkeitsfeld haben. Ich bin vor kurzem zu SKOPOS NOVA gewechselt und durfte mich seitdem immer wieder der Frage stellen: Was macht eigentlich ein UX Researcher?

Im Lauf der letzten Wochen habe ich eine kurze Antwort gefunden, mit der sich einige meiner Kontakte bereits zufriedenstellen: Ich bin Produkttester und befrage die Nutzer, was man beim Design der Produkte besser machen kann. Punkt.

Es gibt jedoch viele Leute, die es dann aber doch genauer wissen wollen, wenn sie meinen, es grob verstanden zu haben. Deshalb möchte ich die wichtigsten Erklärungen aus all den Gesprächen der letzten Tage zusammenfassen.

Warum braucht es diesen Job überhaupt?

In den letzten Jahren sind die meisten Produkte besser und gleichzeitig günstiger geworden. Das Angebot der unterschiedlichen Hersteller ist manchmal so ähnlich geworden, dass man als Konsument gar nicht mehr richtig weiß, welches Produkt wirklich besser ist. Vor allem bei Smartphone-Apps kann man das schön beobachten: Die Auswahl an Apps mit einer ähnlichen Funktionalität ist riesig. Meist probiert man deshalb auch erst einmal ein paar Apps aus, bevor man sich für die beste Lösung entscheidet – das kennen wir alle.

Unterm Strich bevorzugen Menschen heutzutage Produkte, die sich einfach nur gut für sie anfühlen. Ja mehr noch, die Nutzer wollen Produkte, die sie regelrecht begeistern. Das alles ist natürlich nicht immer ganz rational und häufig auch sehr emotional und subjektiv geprägt.

Unternehmen versuchen deshalb, Produkte so zu entwickeln, dass sie zu den subjektiven Wünschen ihrer Zielgruppe passen. Nur dann können sie auf einem Markt bestehen, auf dem viele andere Anbieter Produkte mit ganz ähnlichen Leistungen und Technologien anbieten.

Als UX Researcher versuche ich herauszufinden, was die Zielgruppen meiner Kunden wirklich begeistert, damit die Produkte perfekt zu den Kunden passen. Dann sind nicht nur die Nutzer glücklich, die Unternehmen können sich auch im Wettbewerb leichter durchsetzen.

Warum kann man damit Geld verdienen?

An der Entwicklung einer App, einer Webseite oder einem anderen Computerprogramm arbeiten typischerweise große Teams mit vielen Programmierern. Programmierer verdienen gutes Geld und deshalb ist die Entwicklung von Software mit hohen Kosten verbunden.

Für Unternehmen ist es ein großes Risiko, Software zu entwickeln, die bei den Nutzern nicht gut ankommt. Dann muss man nämlich die Software ändern und noch mehr Geld ausgeben.

Deshalb versucht man die Software so früh wie möglich zu testen – am besten, bevor Entwickler viel Arbeitszeit in die Programmierung stecken. Dazu wird mit möglichst wenig Aufwand ein Prototyp erstellt, der den Nutzern eine Idee davon vermittelt, wie das fertige Produkt aussieht und funktioniert.

Als UX Researcher teste ich mit den Nutzern genau diese Prototypen. Wenn den Nutzern die Idee für das Produkt gefällt, können die Programmierer mit der Arbeit beginnen. Solange den Nutzern die Idee aber nicht gefällt, wird der Prototyp so lange verändert, bis die Nutzer zufrieden sind. Dadurch wissen die Programmierer genau, was sich die Nutzer wünschen und können ihre kostbare Zeit effizient einzusetzen. Auf diese Weise sparen Unternehmen viel Geld.

Was macht ein UX Researcher jetzt genau?

Als UX Researcher versuche ich den Nutzern eine Stimme im Unternehmen meines Auftraggebers zu geben. Je besser ich das schaffe, desto größer ist der Wettbewerbsvorteil des Produkts und desto geringer sind die Entwicklungskosten.
Dazu führe ich in erster Linie Interviews mit den Nutzern der Produkte durch, persönlich oder online. Es gibt natürlich ganz viele unterschiedliche Methoden, wie man Produkte testen kann – je nachdem, was am besten zu der jeweiligen Fragestellung passt. Die Ergebnisse dieser Interviews helfen dann dabei, bestehende Produkte besser zu machen oder neue Produkte so zu designen, dass die Nutzer begeistert sind.

Man muss jedoch auch realistisch sein. In den meisten Fällen ist nicht ausreichend, einfach nur ein paar Interviews durchzuführen und dann die Ergebnisse per E-Mail an den Auftraggeber der Studie zu schicken. Produkte werden schließlich erst dann großartig, wenn jeder im Unternehmen versteht, was die Erkenntnisse ganz praktisch für die nächsten Entwicklungsschritte bedeuten.

Damit beim Auftraggeber die Ergebnisse konsequent in der Produktentwicklung berücksichtigt werden, begleitet man den Entwicklungsprozess mit regelmäßigen Workshops über einen längeren Zeitraum und überprüft immer wieder, ob die überarbeiteten Designs gut bei den Nutzern ankommen, ob sich daraus vielleicht neuer Forschungsbedarf ergibt und wie man neue Erkenntnisse in der weiteren Entwicklung berücksichtigen kann.

Die häufigste Reaktion bei diesen Gesprächen war übrigens, dass der Beruf hochgradig spannend und vielseitig klingt, weil man es ja immer wieder mit neuen, innovativen Produkten und auch mit vielen, unterschiedlichen Menschen zu tun hat. Das fasst den Reiz dieser Tätigkeit sicherlich perfekt zusammen. Und dieser Reiz ist es auch, der mich jeden Tag aufs Neue begeistert.

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Florian Tress
Florian Tress
Senior UX Researcher

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Spezialgebiet: R&D, Beratung