(Last Updated On: 1. März 2018)

„I’m impressed with the people from Chicago. Hollywood is hype, New York is talk, Chicago is work.“ – Micheal Douglas

Ergebnisworkshop im 24. Stockwerk. 12 Stunden nach dem letzten Interview. Vor uns sitzt gespannt das gesamte App-Entwicklungs-Team, bestehend aus Profis im Bereich UX Research, UX Design, Interaction Design und Media Informatics. Mitten im Satz über das Wording und die Icons des Hauptmenüs vibriert der Boden! Ein erschrockener Blick in die Gesichter der Locals lässt uns aufatmen: Das Vibrieren scheint hier alltäglich zu sein. Leider haben die Locals unseren Schreck mitbekommen – sie lachen. Und erklären uns, das starke Vibrieren sei der Bahnhof unter dem Gebäude.

CHICAGO, the „Windy City“, USA. Eine Großstadt, die durch den riesigen See gefühlt am Meer liegt. Eine ratternde Tram, die mich an eine Holzachterbahn im Freizeitpark erinnert, verläuft überirdisch auf sieben Metern Höhe direkt vorbei am Hancock Tower mit 94 Stockwerken. Es duftet nach Deep Dish Pizza und nicht zu übersehendes Faible für fancy (bzw. ugly) Christmas Sweater.

EU-weit waren wir mit Projekten im Bereich Usability, User Experience und Service Design unter der SKOPOS-Flagge regelmäßig unterwegs. Nun sind wir mit der neuen Tochterunit NOVA das erste Mal auf einem anderen Kontinent! Unser Auftrag für eine Woche: Montag und Dienstag eine App für den Handwerksbereich testen, Mittwoch und Donnerstag eine App für Automotive-Kunden evaluieren. 2 Apps, 2 internationale Unternehmen, 22 Interviews mit noch ahnungslosen Nutzern.

Bereits vor und besonders während dieser Woche ist uns immer wieder bewusstgeworden, dass Projekte im Ausland einfach anders ablaufen. Für uns heißt das konkret: Ein Kick-Off per Videokonferenz statt persönlich und etwa doppelt so viele Absprachen per Email und Telefon wie üblich. Meist sind deutlich mehr Stakeholder involviert. Unterschiedliche Erwartungen, Erfahrungen und Anforderungen in einer Welt, in der „agil“, „UX“, „Usability“ und „User“ auch unterschiedliche definiert werden, machen das Projekt spannend und legen die Messlatte durchaus höher.

Die USA stellt andere Ansprüche an Interaktionen und Design. Dammit!

Interessant war für mich besonders das völlig andere Antwortverhalten von Amerikanern. Denn im Gegensatz zu den überlegten, vorsichtigen, verständnisvollen Deutschen habe ich sämtliche, existierende Schimpfworte gehört – hier in Chicago wird dem Produkt und auch der Marke gegenüber kein Blatt vor den Mund genommen, selbst wenn der Kunde mit im Raum ist. Diese andere Art und Weise als auch die Atmosphäre muss der Moderator kennen und „können“. Während man in Deutschland häufiger zwischen den Zeilen lesen muss (wer kennt den folgenden Satz: „Ach, wenn ich weiß, wie das geht, dann ist das schon gut so!“?), wird einem das in den USA häufiger abgenommen. Die Erwartungen in Richtung User Centered Design sind bekannt, werden verbalisiert und auch an die entsprechende Marke herangetragen.

Uneingeschränkt empfehlen für Forschung in den USA können wir David Farmer von The Connell Group (http://connell-group.com/). Er legte bei Interviews in Chicago nicht ein gutes Auge für Usability vor, sondern hat Humor, eine angenehme Art die richtigen Fragen zu stellen und eine Gabe, das Gehörte auf einer Meta-Ebene zusammenzufassen.

Ach, und wer in der Stadt ist und noch nicht genau weiß, was er machen oder essen soll. Hier ein paar Tipps.

Gutes Abendessen mit tollem Ausblick? THE KITCHEN
Original Deep Dish Pizza? Bacinos of Lincoln Park
Wissbegierig, was im Weltraum so passiert? SKOPOS NOVA war natürlich im Adler Planetarium.

Hier haben Sie die Möglichkeit den Blog-Eintrag zu bewerten

[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

Autorenprofil

Juliana Brell
Juliana Brell
Projekt Manager

E-Mail schreiben
Spezialgebiet: Forschung, Product Usability, Service Design Thinking